Lean Production und Management

Um Lean Production und Management besser zu verstehen werfen wir einen Blick in die japanische Tradition von Kaizen. Das Konzept von Kaizen stammt aus Japan und wurde zu Zeiten der Nachkriegszeit inspiriert durch die Managementphilosophie der USA und die klassische japanische Arbeitsmentalität.
Kaizen fokussiert sich auf die kontinuierliche Verbesserung und Produktivität sowie Eindämmung von Verschwendung (engl. „waste“), mit dem Ziel, schlankere Prozesse wie auch schlankeres Management und somit eine schlankere Produktion herbeizuführen.
Kaizen bildet die Grundlage für viele Management-Methoden, und dadurch auch das Lean Management. So ergeben sich die folgenden Prinzipien des Lean Managements:

  • Refokussierung auf das Kerngeschäft und/oder die primären Aufgaben eines Unternehmens
  • Flache hierarchische Stufen, zur Erleichterung der Kommunikation über verschiedene Ebenen
  • Zumeist wird im Team oder in der Gruppe gearbeitet
  • Jeder Prozess wird hinsichtlich Kaizen analysiert (zum Beispiel wo entsteht „waste“ im Sinne von Überproduktion, Zeitüberschreitungen, Fehlern…) und alle Produktionsschritte entlang der Produktion werden hinsichtlich der Effizienzmaximierung und hoher Qualitätsansprüche analysiert
  • Stark im Fokus: Im Kern des Geschäfts die Zufriedenheit der Kund:innen zu erhöhen und dabei gleichzeitig die Kosten zu minimieren

Lean Production stellt also eine Subausprägung von Lean Management dar. Somit kommt es nicht zur Analyse und Reevaluierung des gesamten Unternehmens, sondern es dreht sich ausschließlich um die Produktion.

 

Warum lohnt es sich, in Lean Production zu investieren?

Die Umstellung auf eine schlanke Fertigung bringt natürlich eine Vielzahl an Herausforderungen mit sich. Es erfordert ein völliges Umdenken der Unternehmensstrategie beziehungsweise der Produktionsphilosophie. Die Arbeitskräfte müssen an verschiedenen Ebenen der Wertschöpfungskette und Hierarchien in ihrer bisherigen Arbeitsweise abgeholt und auf ein neues System umgemünzt werden. Und es können anfangs auch Anschaffungskosten wie Umstellungskosten anfallen, bis sich das System etabliert hat (zum Beispiel im Hinblick auf lokale Produktion oder höhere Qualitätsansprüche).
Die Vorteile der schlanken Fertigung sind aber nicht von der Hand zu weisen:

  • Sie steigern die Effizienz in der Fertigung maßgeblich.
  • Sie reduzieren „waste“ großflächig.
  • Die Produktivität erhöht sich enorm.
  • Sie können besser und agiler auf Fluktuationen, auf eine gesteigerte Nachfrage oder spontane Marktherausforderungen reagieren.
  • Sie fördern die Kund:innenzufriedenheit stark, wodurch Sie eine bessere Langzeitbindung zu und Produktloyalität von Kund:innen erzielen.
  • Die Fehleranfälligkeit wird reduziert und das Erkennen sowie Verhindern von Fehlern zu einem Hauptaspekt im Produktionsprozess gemacht.

 

Lean Production im Kontext der eigenen Stärken denken

Die schlanke Produktion fokussiert sich also wie beschrieben auf die Optimierung der Prozesse in der Produktionskette. Die Philosophie kann und soll aber auch direkt bei einem selbst angesetzt werden und dient als eine gute Basis zum Einstieg in die Thematik.
Wenn man an die eigenen Stärken denkt, gibt es basierend auf den Prinzipien von Lean Production wie auch Management eine Vielzahl an Faktoren, die den eigenen Arbeitsflow beeinflussen.
Diese sind unter anderem:

  • die Überproduktion von Waren
  • lange und damit ineffiziente Wartezeiten
  • Defekte und Fehler
  • Überschüssige Bewegung
  • Überschüssiges Inventar
  • Ineffiziente Prozesse
  • Exzessiver Transport

Schlanke Produktion durch Lean Production

Die Betrachtung dieser sieben Faktoren kann leicht auf das eigene Arbeitsvorgehen auch außerhalb eines klassischen Produktionsszenarios umgelegt werden. So entstehen zum Beispiel gerne langatmige und komplizierte Dokumente (ein Beispiel für: Überproduktion), die in weniger Worten und mit aussagekräftigeren Bildern effizienter eingesetzt werden können. In der Kommunikation mit Kolleg:innen fehlen im Zuge eines Projekts klare Kommunikationswege und Kommunikationsketten. Dadurch warten zu oft an zu vielen Stellen Personen auf das Feedback anderer (ein Beispiel für: Wartezeiten). Oder ein spezifisches Problem wie die eigene Zeiterfassung wird für verschiedene Stellen und Personen unterschiedlich, aber mehrmals erfasst, wodurch redundante Arbeitsschritte mit redundanten Informationen entstehen (ein Beispiel für: Ineffiziente Prozesse). Somit ist gerade für das Innovationsmanagement die schlanke Produktion von besonderer Bedeutung, da die Prinzipien der schlanken Fertigung zu einer deutlich effizienteren und zielführenderen Planung, Steuerung und Umsetzung von Ideen führen können.
Die Prinzipien der schlanken Produktion können nicht nur die Wertschöpfungskette der Produktion, sondern die eigene Verringerung von „waste“ ermöglichen und so zu effizienterem und qualitativem Output führen.

 

Die 8 Formen der Verschwendung

Lokal Produzieren im Kontext von Lean Production

Schlanke Fertigung zielt also neben vielen anderen Faktoren besonders auf die Minimierung oder Eliminierung von „waste“ ab. Dadurch liegt ein starker Fokus der schlanken Produktion auf der lokalen Produktion. Aber warum eigentlich? Lokale Produktion bedeutet:

  • Effizientere Kommunikation, weil die Kommunikationswege kürzer und bekannter sind, da sich die Kommunikationspartner:innen auf einer lokalen, gemeinsamen Ebene befinden
  • Effizienterer Transport, weil die Transportwege kürzer sind, nicht mit überregionalen Hürden zu kämpfen haben und natürlich Nebenkosten des Transports so eingespart werden können
  • Gesteigerte Kund:innenzufriedenheit, da gerade bei zum Beispiel der Produktion lokaler Waren auf lokales Sourcing Wert gelegt wird und diese Kund:innenerwartung mit lokalem Handling erfüllt wird
  • Einsparung von Zollgebühren, Exporttarifen, Handelsproblemen und verringerte Abhängigkeit von internationalen Wertschöpfungsketten durch eine Fokussierung auf lokale Güter
  • Fokus auf lokale Arbeitskräfte, die einerseits durch kürzere Anreisezeit eine höhere Zufriedenheit aufweisen, und andererseits dadurch globale Arbeitsprobleme eingedämmt werden

Die lokale Produktion von Gütern ist also firm in die Prinzipien der schlanken Produktion eingebettet und bringt durch ein Umdenken der bestehenden Prozesse eine Vielzahl von Vorteilen mit sich.

 

Arbeitskräfte in Lean Production

Neben all seiner Vorteile ist es natürlich trotzdem eine gewisse Herausforderung, Lean Production in der eigenen Produktionsstätte einzuführen. Ausbildung, Studium und allgemeine Weiterbildung können hier von Vorteil sein.
Arbeitskräfte, die in die Prinzipien des Lean Management eingeführt werden, müssen einen gewissen Grad an Offenheit mitbringen. Der Grund hierfür liegt darin, dass Lean Production gerade in der westlichen Welt nicht dem bisherigen Produktionsfluss entsprechen. So ist es durchaus wahrscheinlich, dass Sie beim Ausrollen dieser Methodologie auf begeisterte, sich damit identifizierende Mitwirkende stoßen. Gleichzeitig ist es aber auch absehbar, dass es eher veränderungsunwillige Personen geben wird. Sie sind von neuen Ansätzen und Methoden herausgefordert oder wollen sich nicht leichtfertig von bekannten Wegen trennen.

Wie begegnen wird dieser homogenen Arbeiter:innenschaft?

  • Die Trends im Lean Management gemeinsam und aktiv verfolgen.
  • „Ambassadors“ in verschiedenen Gruppen und Subgruppen definieren. Die dienen als Ansprechpartner:innen und Motivator:innen, die für alle anderen bereitstehen und den Wandel positiv verkörpern.
  • Lean Manager:innen definieren. Damit Prozesse besser verinnerlicht und eingehalten werden, braucht es auch in der schlanken Produktion Führungsstile, die dieses Vorgehen forcieren und den Mitarbeiter:innen in der „Adoption Phase“ helfen können.
  • In Lean Training investieren. Neue Systeme erfordern neues Wissen, das Kennen vom gewählten Regelsystem und das Einhalten der neuen Prozesse. Ein Beispiel hierfür ist Kanban. Dabei muss jede Person die Regeln kennen und verstehen, sich an die vereinbarten Kommunikationsstrukturen halten, Zeit- und Kartenlimits einhalten, verschiedene Stakeholder:innen helfen, das Regelsystem zu forcieren etc.
  • Frühes Involvement als best practice. Beziehen Sie die Arbeitskräfte direkt in die Umstellung auf Lean Production ein, anstatt sie vor vollendete Tatsachen zu stellen. So können sie das gewählte System besser mitentwickeln. Sie betrachten es als Teil ihrer eigenen Arbeitsphilosophie und gestalten wichtige Elemente mit, indem sie die Erfahrungswerte aus ihren Bereichen der Wertschöpfungskette mitbringen.

3D-Druck und schlanke Fertigung

Das Konzept der „waste reduction“ zieht sich kontinuierlich durch Lean Production. In klassischen Produktionskontexten erzeugt vor allem die Erstellung von Prototypen, aber auch die Herstellung von extrem spezifischen oft veränderlichen Teilen einen besonders großen Überschuss an „waste“.
In der Prototypisierung kann es sowohl zu extrem langen Zeitspannen kommen, aber auch viele Fertigungsschritte und Produktionsteilchen brauchen, bis ein gewisser Reifegrad eines Erstprodukts erreicht wird. Die vielen verschiedenen Durchgänge bringen den Vorteil mit sich, dass Sie aus jeder vorherigen Version lernen und Schlüsse ziehen können. Doch jede neue Version erfordert eine Vielzahl rauchender Köpfe, Auf-, Ab- und Umbauschritte und nicht zuletzt oft teure Materialien – oftmals nur, um einen ersten Proof of Concept zu erhalten.
Hier eröffnet der 3D-Druck völlig neue Möglichkeiten. So können nicht nur kleine Modelle schnell und inkrementell gebaut und verändert werden, sondern auch essentielle Bauteile für größere Produktionsgüter. Dadurch wird sowohl der „waste“ hinsichtlich Zeit als auch der Materialien maßgeblich verringert, ein proof of concept wird schneller erreicht und die Refokussierung auf das finale Produkt kann deutlich schneller erfolgen.
Die neuen Möglichkeiten, die 3D-Druck für die schlanke Fertigung mit sich bringt, können sich zu einem wahren Game Changer in der Produktionswertschöpfungskette entwickeln.

Digitale Transformation – Internet of Things (IoT) und schlanke Produktion

Vernetzte Systeme können Sie nun so in die Produktionsprozesse einbetten, dass sie in der Produktion auf variable Daten direkt Rücksicht nehmen.
Das betrifft zum Beispiel Monitoring-Daten von Sensoren für Produkte, die von außenstehenden Faktoren abhängig sein können, aber auch User-Feedback, das so direkt in die Produktionsebene einfließen kann.
Ein Beispiel dafür können Kaufdaten von verderblichen Produktionswaren sein. Wenn Sie die Kaufdaten dynamisch in den Produktionsprozess einbinden, können Sie so eine zielgerichtete Produktion erreichen. Diese kann sich zum Beispiel in der Menge und Auswahl der Güter dynamisch an die Ist-Kaufdaten anpassen. Damit wird das Inventar geschont und eine Überproduktion vermieden.
Im gleichen Ausmaß können Echtzeitdaten in einzelne Produktionsschritte einfließen (zum Beispiel wenn an einer späteren Stelle der Produktionskette plötzliche Fehler entstehen, die den vorderen Teil beeinflussen) oder auch predictive Analysis eingesetzt werden, indem die Daten zur Erstellung von Forecasts benutzt werden.

 

Nachhaltige ressourceneffiziente Produktion

Im Kontext der schlanken Produktion hinsichtlich Nachhaltigkeit ist das Konzept von „waste“ ein besonders wichtiger Aspekt. Ein Beispiel dafür ist das Inventar einer der sieben „main wastes“, das eine Vielzahl an Problemen mit sich bringt, denn ein zu großes Inventar sorgt für gebundenes Kapital und vielerlei Zusatzkosten wie Lagerung, Lagermanagement, Steuern, Versicherungskosten, das Risiko von Obsoleszenz, Diebstahl und mehr.
Nachhaltige ressourceneffiziente Produktion ermöglicht es, diese Risiken in Schach zu halten. Das Inventar wird also entsprechend einer schlankeren Produktionskette ebenso schlank wie möglich gehalten und enger in Abstimmung mit dem Kund:innenenbedarf geregelt. So lagern und liefern Sie nur jene Ressourcen, die Sie tatsächlich benötigen. Dies bringt neben der Kostenersparnis auch nachhaltige Ressourceneffizienz mit sich. Damit kann nämlich versiegelter Boden eingespart werden (da Sie keine großen Lager benötigen), weniger Strom und Wärme werden für die Instandhaltung der Lager und Güter benötigt und verderbliche Waren werden eher vom Verschleiß bewahrt.

Fazit und Ausblick

Agile und schlanke Managementmethoden haben in den letzten Jahren ihren Fixplatz in der Business-Welt errungen. Als Beispiel dafür haben sich SCRUM, Kanban und andere Vorgehensweisen fix in kleinen wie großen Unternehmen etabliert.
Die schlanke Fertigung hält mit ebenso viel Erfolg Einzug in Produktionsstätten. Sie erfordert das Umdenken und die Neuevaluierung bestehender Prozesse und ein gutes Einfühlungsvermögen in die eigenen Produktionsprozesse. Doch mit den modernen Bordmitteln wie IoT und 3D-Druck und wichtigen Konzepten, wie lokale Produktion und Nachhaltigkeit, bringt die Zukunft viele spannende Chancen für schlanke Produktion mit sich. Diese können die Wertschöpfungskette maßgeblich optimieren.

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