Der Ukrainekrieg stellt auch die humanitäre Hilfe vor besondere Herausforderungen

Nachhaltige Aus- und Weiterbildung an der academy for humanitarian action als zentrales Element der humanitären Hilfe

Der Angriff russischer Truppen auf die Ukraine zwingt derzeit Millionen von Menschen zur Flucht inmitten Europas. In den umliegenden Ländern, wie auch vor Ort wird humanitäre Hilfe zu einem zentralen Instrument, dieser Krise zu begegnen. Angesichts der vielen Herausforderungen, die sich den HelferInnen stellen, ist eine gute Aus- und Weiterbildung zentral. Die 2020 gegründete academy for humanitarian action hat es sich zur Aufgabe gemacht, nachhaltige und professionelle Kompetenzvermittlung im Bereich der humanitären Hilfe zu entwickeln und zugänglich zu machen.

Seit ihrem Start im Oktober 2020 bietet die aha Fort- und Weiterbildungen für Organisationen der humanitären Hilfe an. Gemeinsam mit Aktion Deutschland hilft (ADH), dem IFHV an der Ruhr-Universität Bochum, dem Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe an der FH Münster und der Akademie der Ruhr-Universität trägt die aha- mit ihrer Arbeit zur Systematisierung und Standardisierung der humanitären Hilfe in Deutschland bei. „Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, die internationale Nothilfe aus Deutschland zu professionalisieren und die deutsche Nothilfe sichtbarer zu machen“, sagte Prof. Dr. Pierre Thielbörger, Direktor des Instituts für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht der Ruhr-Universität Bochum.

„Die enge Verzahnung von hochschulisch-akademischer Forschung mit der langjährigen Praxiserfahrung unserer Dozentinnen und Dozenten gewährleistet ein hohes Niveau der Weiterbildung“, erläutert Prof. Dr. Joachim Gardemann vom Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe der FH Münster.

Professionelle humanitäre Hilfe braucht viele Kompetenzen

Neben der finanziellen Ausstattung brauchen humanitäre Hilfseinsätze vor allem sehr gut geschulte Kräfte, die mit der Situation in Krisen- und Katastrophengebieten professionell umgehen können. Kenntnisse der völkerrechtlichen Regeln sind ebenso erforderlich wie spezifische Kenntnisse zu Qualitätsstandards, Ausgestaltung der Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen vor Ort oder die Berücksichtigung besonders vulnerabler Gruppen.

„Für die professionelle humanitäre Hilfe brauchen die Teams der NGOs eine Vielzahl von Kompetenzen, die auch kontinuierlich angepasst werden“, erklärt Aktion Deutschland Hilft -Vorständin Manuela Roßbach.

Fort- und Weiterbildungen für künftige und erfahrene HelferInnen gibt es bereits in Deutschland, doch fehlte es bislang an einer systematischen Struktur, die die Weiterbildungsmöglichkeiten bündelt.

Erfolgreicher Start der academy for humanitarian action (aha)

Die academy for humanitarian action (aha) bildet seit dem vergangen Jahr EinsteigerInnen und erfahrene MitarbeiterInnen in der humanitären Hilfe weiter und liefert das Wissen, das neben der beruflichen Qualifikation vor Ort benötigt wird.

Am ersten Online-Seminar im November 2020, das sich mit dem Thema „Supporting citizen and community led crisis response“ befasste, nahmen Menschen aus Ghana, Nigeria, aus Spanien, Deutschland und Dänemark teil. Ein heterogenes Lernumfeld in den Kursen schafft Austausch von unterschiedlichsten Erfahrungen aus diversen Arbeits- und Lebensbereichen und macht das Angebot besonders lehrreich.

Neulinge in der Hilfsarbeit bekamen im Januar mit dem dreitägigen Training „Einführung in die humanitäre Hilfe“ eine solide Basis für den Einstieg. Das Seminar wurde im April fortgesetzt und führte dann in das humanitäre System ein.

Insgesamt wurden seit der Gründung 522 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in 27 Kursen weitergebildet. „Wir freuen uns sehr über die große Resonanz auf die Angebote. Die „Einführung in die humanitäre Hilfe“ haben wir zum Ende des Jahres hin zum Beispiel gleich zweimal angeboten, da die Nachfrage so groß war.“ freuen sich die beiden ProgrammkoordinatorInnen Selina Schön und Sören Schneider.

Attraktives Weiterbildungsportfolio für verschiedene Zielgruppen

Koordination mit PartnerInnen, fundierte Einschätzung von Katastrophenrisiken, vorausschauende Planung, innovative Ansätze zum Beispiel im Bereich neue Technologien, Umsetzung verschiedener Qualitätsstandards und Prinzipien sowie Personalfürsorge und Sicherheitsmanagement im Kontext von Krieg und Gewalt: Das Spektrum der Wissensbereiche, die im humanitären Einsatz gebraucht werden, ist groß. Ebenso vielfältig sind die Weiterbildungsangebote der academy for humanitarian action.

„Durch unser strukturiertes sowie akademisch-zertifiziertes Weiterbildungsangebot stellen wir mit der academy for humanitarian action eine wichtige Weiterbildungsplattform zur kontinuierlichen Anpassung der benötigten Kompetenzen. Dabei ist es uns wichtig ein breites Spektrum der benötigen Anforderungen abzudecken“, sagt Robin Pass, Geschäftsführer des Instituts für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV).

aha-Mitglieder und eingeladene externe AnbieterInnen führten zahlreiche Präsenz- und Online-Veranstaltungen im Laufe des Jahres durch. Künftige Angebote wie das Seminar „Psychosoziale Personalfürsorge in der humanitären Hilfe“ oder das Basis-Sicherheitstraining für humanitäre Auslandseinsätze werden stark nachgefragt.

Vor-Ort-Schulungen in Deutschland und Online-Angebote umfassen Einführungskurse in die humanitäre Hilfe und das humanitäre System, Themen wie den Datenschutz, Trainings zu Standards, Sicherheitstrainings oder Schulungen zur Nutzung von Geo-Informationen im humanitären Einsatz. Damit deckt die Akademie ein breites Spektrum an Wissen ab, das HelferInnen vor Ort benötigen, um Menschen nachhaltig zu unterstützen.

Die Weiterbildungen der Akademie werden im modularen Ansatz angeboten, mehrere Trainingsprogramme können so zu einem hochwertigen „Certificate of Advanced Studies“ (CAS) kombiniert werden. Die aha vergibt das CAS für „Foundations of Humanitarian Action“, „Anticipatory Humanitarian Action“ und das Zertifikat „Locally-led Humanitarian Action“. „Es war uns wichtig schon von Beginn an ein breites thematisches Spektrum mit unseren Weiterbildungsangeboten abzudecken.“ betonen Dr. Katrin Radtke und Dr. Markus Moke, Akademische DirektorInnen der academy of humanitarian action (aha).

Wissenschaftliche Fundierung und Qualitätssicherung der Weiterbildung

„Uns liegt sehr viel daran neben der inhaltlichen und didaktischen Weiterbildungsqualität auch moderne hochwertige Zertifikate für die TeilnehmerInnen anzubieten. Dies bedeutet auch die aktuellen Bedürfnisse und beruflichen Anforderungsprofile genau zu kennen und in die Weiterbildung einfließen zu lassen. Der Erfolg im ersten Jahr zeigt uns, dass diese aufwendige Strategie aufgeht.“ freut sich Dr. Yves Gensterblum, Geschäftsführer der Akademie der Ruhr-Universität über den Erfolg.

 

https://academy-humanitarian-action.de/de